08.02.2007
Jens Lekman - Your Beat Kicks Back Like Death
Es gibt vorwiegend drei Methoden, um sich beim Schreiben über Musik als Substantiv in einen Text einzubringen: Man. Ich. Wir. Alle drei berauben den Text der Illusion der objektiven Distanz, die es natürlich nicht gibt, egal wie sehr man die eigene Wahrnehmung auch als universalen Fakt darzustellen versucht. Wenn man unbedingt die Wirkung der Musik auf den/die RezipientInnen explizit ausführen will, kommt man noch mit einem allgemeiner (weil auf mehr als eine Person, potentiell sogar unter Ausschluss des Autors/der Autorin) wirkenden ‘man’ durch, auch wenn es in 99% der Fälle einfach nur ein ‘ich’ ersetzt.
Das ‘ich’, so realistisch es auch ist, ist vielerorts verpönt, es gilt als unseriös und amateurhaft und erblühte deswegen natürlich besonders im freien Feld der Musikblogschreibe. So war es mir, als ich dann irgendwann auch mal meine Scheu davor gänzlich abgelegt hatte, dann auch die liebste Darstellungsform meiner Musikerlebnisse und -erfahrungen, auf die ich schließlich keinerlei universellen Anspruch erhob.
Beispielsweise habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich neue Musik nicht “einfach so” mögen kann. Ich brauche erstmal etwas mir bereits Bekanntes als Referenz, als einen Zugang, der sie mir in einem vertrauten Kontext erscheinen lässt. Jens Lekman hat mir lange nichts gegeben, bis ich irgendwann über seine Landleute Studio, The Tough Alliance und andere Service-Acts ein gewisses Gespür für eine schwedische Pop-Leichtigkeit bekam, die sie alle verband und die ich sehr mochte. Und dann auch irgendwann in Lekmans Night Falls Over Kortedala entdeckte, was fortan sein gesamtes Schaffen in einem anderen, vertrauten Licht erscheinen ließ und mir endlich verständlich brachte. So in der Art könnte ich, mit etwas Anstrengung, von fast allem was ich höre über derartige Zwischenstationen eine Linie zurück zu meinen frühesten musikalischen Erahrungen ziehen.
Geht das anderen Menschen auch so? Ich weiß es nicht. Wollte ich das seriös als allgemeingültig darstellen, würde ich dann eben schreiben dass man neue Musik nicht “einfach so” mögen kann. Man braucht erstmal etwas bereits Bekanntes als Referenz, als einen Zugang, der sie einem in einem vertrauten Kontext erscheinen lässt.
Oder, wollte ich eine starke Bindung zur LeserInnenschaft aufbauen, das nur von wenigen jenseits von Stammtischniveau gut genutzte ‘wir’ zücken: Wir können neue Musik nicht “einfach so” mögen. Wir brauchen erstmal etwas bereits Bekanntes als Referenz, als einen Zugang, der sie uns in einem vertrauten Kontext erscheinen lässt.