18.02.2007
Disco Devil - Now Dance
Das gerade im letzten Halbjahrzehnt online florierende Quasi-Genre des Disco-Edit kann wahre Wunder bewirken. Musik, die ursprünglich in einem völlig anderen Kontext geschah, findet sich mit leichten Modifikationen plötzlich auf wundersame Weise auf dem Tanzflur, wie z.B. bei den Krautrock-Bearbeitungen des Franzosen Pilooski. Auch kann das Hervorheben und Verlängern einzelner Songaspekte, oder das Auslassen anderer, gleichermaßen Klassiker uminterpretieren und die vermeintlich käsigsten 80er-Klischees rehabilitieren - Disco-Edit-Fließbandarbeiter Todd Terje schreckte dabei nicht mal vor Dieter Bohlen zurück.
Oft genug wirkt die Bezeichnung “Edit” aber auch wie eine qualitative Abstufung zum Remix, wenn wie bei dieser Aufmöbelung des deutschen Chilly-Klassikers ein bisschen mehr Umpf im Bass und eine mikronale Tempoveränderung das Höchste der Gefühle sind. Dass eine allein funktionale Umbearbeitung wie diese, die einen alten Track neben moderneren Produktionen im DJ-Set nicht deplatziert klingen lassen soll, einen neuen Titel erhält als stünde eine größere Eigenleistung dahinter, wirkt dann schon wie eine Frechheit. Hat aber auch öfters den einfachen Grund, dass sie in einer rechtlichen Grau- bis Tiefschwarzillegal-Zone geschieht und sich um die Urheberrechtsabgaben gedrückt wird.