Auf den zweiten Blick
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22.02.2007

Kenickie - Letter To Memphis (Steve Lamacq Session)

Ich hab glaub ich schonmal geschrieben, dass für mich das Schönste an Blogs ihre Funktion als vielseitige Entfaltungsfläche für einzelne Erfahrungen und Perspektiven ist. Dass man durch sie die Welt mit den Augen anderer sehen und vielleicht so auch seinen eigenen Horizont erweitern kann.

Auch auf Musik bezogen: Zu einer Zeit, in der ich mit Musik ohne Gitarren nur wenig am Hut hatte, stieß ich auf die glamourös trashigen Britpopper Kenickie und verknallte mich Hals über Kopf in ihr Album At The Club. Darüber fand ich das Blog des britischen Musikjournalisten Kieron Gillen, ein bekennender Riesenfan der Band, der eine Art zu schreiben hatte, mit der ich mitfühlen konnte.

Doch neben all den (mehr oder weniger) coolen Gitarrenbands schrieb er auch enthusiastisch über Popmusik. Also richtige, kommerzielle, Chart-Bubblegum-etc.-Popmusik. Vor allem über britische Girlgroups, über die frühjahrzehntlichen Sugababes und die mir bis dato unbekannten Girls Aloud. Nie hätte ich auch nur daran gedacht, mir sowas dem Teenageralter entwachsen nochmal anzutun, doch … wenn dieser Mann all die Sachen mochte, die ich auch mochte, und aus ähnlichen Gründen - könnten die dann nicht auch was für mich sein? Den finalen Ausschlag gab schließlich dieser Wahnsinnstext über Girls Alouds brillantes Album Chemistry. Er ließ Pop als etwas erscheinen, über das zu schreiben mindestens ebensoviel wert war wie über Indiekram.

Denn das war er auch. Chemistry war der Punkt, wo ich Pop endlich verstand, meinen inneren Pop-Schweinehund so langsam zu überwinden begann und einer neuen, größeren Musikwelt gegenübertrat. Vielleicht wäre es ohne Kenickie und passionierte Blogtexte über sie nie passiert, denn eben der glorreiche Rausch von Songs wie Nightlife, Come Out 2nite oder In Your Car war es, den ich im Pop wiedererkannte.